Artikel: Modellfliegen

Einleitung
Es ist ein strahlend schöner Sommertag. Zu meinen Füssen steht ein getreuer Nachbau einer Extra 300S, die ich gleich mit Hilfe meiner Fernsteuerung abheben lasse. Zuerst fliege ich ein paar tiefe Überflüge, mal auf dem Rücken, mal in Seitenlage. Gekonnt setze ich nun zu einem Looping an. Beim Ausleiten gerate ich aber verdammt tief und… ach Schreck – versenke mein Modell inmitten einer Wiese!! Nur Sekunden später erscheint wieder eine neue Extra 300 vis-à-vis von mir. Gut war das eben nur im Simulator! Der tiefe Griff ins Portemonnaie und mehrere Stunden Bastelarbeit bleiben mir zum guten Glück erspart…!
Heute wechseln wir für einmal das Hobby und widmen uns einer anderen, beliebten und mit der Flugsimulation ja irgendwie verwandten (Männer-)Beschäftigung – dem Flug-Modellbau! Denn mittelfristig landen wir bei ihren Flugsimulationslösungen und wollen interessiert rüberschielen, wie es sich mit ihren Miniatur-Simulatoren abseits des Flugplatzes so simmt! Wie die Einleitung schon verrät, hat der Simulator im Modellbau nämlich heute eine tragende Rolle bei der theoretischen Flugkörpererprobung und dem Flugtraining selbst!
Hätten zum Beispiel folgende Damen und Herren zu dieser Zeit schon mit einem Flugsimulator üben können, wären sie 1977 nicht auf die versteckte Kamera vom Schweizer Fernsehen reingefallen…!
Der Einfachheit halber wird der Begriff „Modellflugsimulator“ fortan mit „MFS“ abgekürzt.
Angebot
Im Modellflugsektor gibt es im Gegensatz zu “unserer“ Simmerei mehre, namhafte Simulatorserien, die sich angemessen verteilt das Marktvolumen teilen:

http://www.aerofly.de

http://www.ikarus-modellbau.de/

http://www.phoenix-sim.com

http://www.realflight.com

http://www.simwerk.de

http://n.ethz.ch/student/mmoeller/fms/

http://www.heli-x.net
Für weitere Infos (Bilder, Videos, Downloads...) besucht ihr einfach die jeweils verknüpften Links um die faszinierende Atmosphäre dieser Simulatoren besser zu sehen! Wer sich konkret mit der Simulatoranschaffung beschäftigt oder sich für Add-ons interessiert, dem empfehlen wir auch einen Blick zu rc-sim.de - ein Pendant von fs.com: http://www.rc-sim.de/
Umwelt und Grafik
Die heutigen MFS haben eine völlig andere Umsetzung der Umwelt als die Simulatoren der "grossen Fliegerei". Da der Modellflugpilot als Betrachter mehr oder weniger immer am selben Ort steht, verwendet man vielfach fotorealistische Landschaftspanoramen. Und das Ergebnis kann sich in diesem Artikel sehen lassen!
Diese Bildtapeten sind sehr hoch aufgelöst und meist sauber zu einem 360°-Bild ohne Verzerrungen zusammengefügt. Dennoch bewegt sich das Flugobjekt in einem programmierten Raum, wo es mit der Umgebung kollidieren kann. Auch kann es hinter Objekten verschwinden. Man muss sich dabei bloss vorstellen, dass die Landschaft aus mehreren Bildebenen bestehen. So ist der Flieger zwar permanent vor dem Horizont zu sehen, kann aber hinter einem Zaun verschwinden, der vom Gesamtbild losgelöst alles dahinter überlagert. Je nach Umgebung führt diese Lösung zwar teils zu kuriosen Situationen. Mehr oder minder ist es aber eine optisch perfekt gelungene Illusion, so dass man selbst eine gute Raumvorstellung bekommt.
Meist sind die Aufnahmen von Vereins-Modellflugplätzen, im Grünen, in den Bergen, am Strand oder Indoor in einer Turnhalle. Wer über entsprechende Fotoausrüstung und Wissen verfügt, kann auch selbst solch Szenerien erstellen. Deshalb gibt es im Internet kostenlos eine stattliche Anzahl Flugfelder.

Dann gibt es noch wenige 3D-Landschaften. Diese können aber klar noch nicht mit den Fototapeten nicht mithalten, da sie meist sehr rudimentär einem Spieldesign entsprechen, wie man schon vor etwa 10 Jahren gewohnt war. Der Vorteil ist ganz klar, dass man sich frei im Raum bewegen kann und so auch eine ganz exakte Raumvorstellung erhält.

Steuerung
Auch hier sind uns die Modellflieger überlegen. Während wir mit simplen Joysticks hantieren und meist über keinen getreuen Nachbau in Form eines Homecockpits verfügen, können die Modellflieger ganz einfach über einen Klinkenstecker ihren originalen „Arbeitsplatz“ am USB-Anschluss des PC’s einstecken.
Viele Simulatoren nutzen dieses Kabel zugleich als Dongle, der erst die Software freischaltet. Diese Art von Kopierschutz funktioniert ganz gut.
Kritik gibt’s aber im Detail. Während man in echt die Steuerung für jeden Servo (Steuerungsmotor) zu programmieren hat, kann in den meisten Modellsimulatoren (so auch beim Reflex XTR) nur die Steuerfunktion zugewiesen werden (Roll, Nick, Heck, Pitch etc.). Das erleichtert den Einstieg, hemmt aber den Experimentierspielraum. Ich persönlich steuere meinen Heli-Blattanstellwinkel über drei Servos der Taumelscheibe, was im Simulator zu komplex ist. Zum Glück kann man aber mit den Computerfernsteuerungen heutzutage problemlos und schnell entsprechende Steuerprofile abgespeckt für den Simulator anlegen.
Ein paar MFS können die Knüppelbewegungen bildlich darstellen. Das ermöglicht, dass man z.B. gespeicherte Kunstflugflüge abspielen und die nötigen Lenkbewegungen für die Figuren gleich 1:1 sehen kann. Der Aerofly 5 geht sogar soweit, dass man während dem Fliegen vom PC zusätzlich eine empfohlene Lenkstellung sieht (z.B. für Punktschweben mit dem Heli).
„Fa = Ca rho/2 A v²“ - oder "die Flugphysik"
Der Kernpunkt schlechthin! Während für Sonntagsflieger Grafik und Spielspass entscheidend sind, liegt das Hauptkriterium der meisten Modellflugenthusiasten (mit anderen Worten der Mehrheit) bei der Flugphysik.
Die verschiedenen Simulatoren haben alle unterschiedliche Fachgebiete, obschon die Leader eigentlich auf ganzer Breite überzeugen. Beim Reflex ist es das Helifliegen, beim Aerofly der Flächenflug. Potenzial haben die Simulatoren vor allem noch bei feinen Details in Extremzuständen, die jedoch vorwiegend nur von Profis mit langjähriger realer Erfahrung wahrgenommen werden.

Wie schon unter „Steuerung“ erklärt, kann man einzelne Steuerservos nicht ansteuern. Auch sonst lassen sich nicht gross Verfahren abbilden wie das Aufstarten einer Modellturbine. Man kann die Flieger meist nur vom Flugzustand in den Leerlauf herunterfahren, sprich drehzahlgesteuerte Elektromodelle verstummen ganz. Nicht weiter schlimm, da es ja in der Regel nicht wie in einem Airliner hunderte Knöpfe zu lernen gibt!

Sehr zugänglich lassen sich im Spiel innert Sekunden mehrere dutzend Parameter der Modelle und Umwelteinflüsse (Wind, Thermik, Sonne) verstellen. Als Neueinsteiger belässt man aber am besten die Werkseinstellungen, da dies doch gewisse Berechnungskenntnisse voraussetzt. Das Verändern von Gewichten, Drehzahlen, Kubik Steuereffizenzen und Co. kann bei einem Missverhältniss durchaus zu Unwucht führen. Also ideal, um Einstellarbeiten am echten Modell im Sim anzutesten.

Zusatzfunktionen (Multiplayer, Flugaufzeichnungen und Co.)
Einfach nur Fliegen ist längst nicht mehr das einzige was die Simulatoren zu bieten haben. Mehr braucht es nämlich auch, um die Massen oder auch Laien zu begeistern und auf längere Zeit unterhalten zu können.
Der Reflex XTR und zunehmend mehr MFS bieten einen Multiplayermodus an. Das funktioniert bestens und macht einen heiden Spass!

Praktisch wie beim Microsoft Flight Simulator bieten auch die MFS Aufzeichnungsfunktionen an, um die gemachten Flüge festzuhalten und beispielsweise für Schulungszwecke auszutauschen.
Im einfachen Stil bieten einige Simulatoren Missionen à la FSX, wo man z.B. Ballone zerstechen, Parcourrennen, Dog-Fights und Punktlandungen fliegen kann. Bei Heli-X wurde sogar in jüngster Zeit der Unterlastenflug ermöglicht und und und!

Die Addon-Szene
Ähnlich wie in der Welt des Microsoft Flugsimulators, X-Plane und Co. gibt es eine kleine und aktive Schar an Addon-Designern! Das wird den Modellfliegern fast schon „in die Wiege gelegt“, da die meisten Simulatoren beiliegend oder kostenlos entsprechende Designtools anbieten. Und diese werden eben gerne dazu genutzt, Prototypen auf ihre Flugtauglichkeit zu überprüfen. Auch ein kleiner Markt an kostenpflichtigen Addons gibt es. Für zusätzliche Unterhaltung ist also gesorgt!
Fazit Reflex XTR
Der Reflex XTR 2 ist mit Sicherheit kein Fehlgriff und wird als realistischster Sim (vor allem bei Helihaltern) gehandelt. Auch grafisch und soundtechnisch kann er sich bei den Besten zeigen.
Dennoch muss vor allem er bei den Zusatzausstattungen noch zulegen. Der Multiplayermodus ist zumindest ein Anfang. Für den Langzeitspass sollten aber Minispiele (Parcours, Air Races…) oder platzierbare Hindernisse integriert werden. Für den erleichterten Einstieg braucht es in der Flugschulung sicher auch noch mehr computergestütze Flughilfen oder Hilfsanzeigen (Knüppelstellung, Variometer…).
Auch zeitgemässe 3D-Landschaften sollten wieder zum Thema werden. Der belebte Markt stimmt mich aber zuversichtlich!
Mit 195 € liegt der Reflex XTR im Bereich der anderen Spitzensimulatoren und ist nicht gerade billig. Es sei aber auch dringend gesagt, dass dieser Betrag durch echte Abstürze zwecks mangelnder Flugerfahrung bald um ein Vielfaches überstiegen würde!
Der Reflex XTR, entwickelt von Dipl.-Ing. Stefan Kunde, hat eine über zehnjährige Geschichte und wird seit 2008 durch simWerk fleissig weiterentwickelt und vertrieben.

Ich will mehr! – Einsteigermodell oder Flugsimulator?
Ich kann mir gut vorstellen, dass der eine oder andere Aviatikfan jetzt Interesse an diesem Miniatursport gefunden hat. Darauf stellt sich die Frage, mit was man denn jetzt beginnen soll. Der geld- und nervenschonende Simulator oder dann doch gleich ein faszinierendes Flugmodell? Dank immer leistungsstärkeren und kompakteren Kompenenten gibt es heutzutage recht viele kleine, preiswerte Einsteigermodelle, die ohne grossen Aufwand viel Spass bereiten und fast unverwüstlich sind.
Zum Schutz vor billigen (=nicht selten gefährlichen) Duplikaten aus China und Co. schadet es nicht, die Erfahrungsberichte zu Modellen im Internet zu verfolgen. Auch ein Erfahrungsaustausch im regionalen Modellverein ist möglich. Gerade für Einsteiger ist aber der Einkauf im Fachgeschäft immer noch am besten! Denn wenn beispielsweise beim Modellheli der Rotorkopf mit 2'000 U/min dreht, ist das kein Spielzeug mehr, sondern kann einem unschöne Verletzungen zuführen.

Fazit und Ausblick zur Modellflugsimulation und Vergleich mit der grossen Simmerei
Was wir in den letzten Minuten so alles gesehen haben, weckt hoffentlich nicht in den Köpfen der anderen Flugsimulanten ein Neidgefühl.
Ganz klar haben die MFS beim Realismus die Nase vorn und werden dies dank stetiger Entwicklung sicher noch eine Weile lang haben. Ich wage zu behaupten, dass allerdings auch sie nie zu 100% die Realität simulieren können (vor allem nicht den Respekt vor einen Crash…). Für das koordinative Steuertraining sind sie aber auch so goldwert!
Grafisch haben sie mit den fotorealen Landschaften ebenfalls klare Vorteile. Zukünftig werden dank immer besser werdenden Spielgrafiken die Modellflugfelder aber wieder vermehrt dreidimensional und animiert umgesetzt. Damit hat man nach wie vor die beste Orientierung und freie Bewegung im Raum.
Wo ein FSX die Nase vorn hat, ist vor allem die Rahmenunterhaltung. Vielfach sind die MFS noch sehr trocken für Spezialisten, ohne die Massen anzusprechen. Einzelne Simulatoren kommen jetzt aber zunehmend auf den Geschmack!
Man darf aber im Vergleich mit einem FS auch nicht ausser Acht lassen, dass nicht nur die Realismus- und Grafik-Güte Differenzen hat, sondern die MFS durch jahrelange Entwicklung auch ganz klar in einem viel höheren Preissegment angesiedelt sind.
Schlussendlich ist der FS im objektiven Vergleich ein hervorragender Verfahrenstrainer und die MFS ideale Koordinations- & Flugtrainer!
Eine schöne Gemeinsamkeit haben die beiden Sim-Welten allerdings: Unabhängig von Geld und Erfahrung kann man die teuersten und schönsten Fluggeräte dieser Welt sorgenfrei pilotieren!
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Mein Bezug zu diesem Artikel Ich besitze einen relativ simplen Elektro-Hubschrauber mit mehreren Stunden Erfahrung. Auch hab ich schon Hüpfer mit den ganz kleinen Styroporhelis (Stichwort „PicooZ“) gemacht, welche aber für die Modellflug-Fachkompetenz nicht weiter relevant sind. Man kann mit dem Hobby viel Technisches lernen und gleich selbst rumschrauben. Dennoch bin ich mehr Modellflieger als Modellbastler. Darum schätze ich es, mit dem Modellsim jederzeit mit einer breiten Modellauswahl fliegen zu können und „schmerzlos abzustürzen“. Die frische Luft ersetzt er mir leider nicht, letztendlich gibt es mir aber auch wertvolle Sicherheit beim Fliegen mit dem richtigen Modell. |





Adrian Durrer für flugsimulation.com | Veröffentlicht am 18.12.2009 | 1290 Besucher